Mitte 2014 kaufte Amazon die bereits damals sehr beliebte Livestreamingseite Twitch für 970 Millionen Dollar auf. Was folgte, war ein neues Abo-Modell namens Twitch Prime, die Einführung von Prime Gaming und weiteren Goodies für Zuschauer, die ihr Twitch-Konto mit Amazon Prime kombinierten. Heute wird der Wert von Twitch auf circa 15 bis 20 Milliarden Dollar geschätzt.

Das liest sich zunächst wie eine Erfolgsgeschichte, doch Twitch ist für Amazon nicht rentabel. Erst kürzlich wurden 35 % der Twitch-Mitarbeiter entlassen, um Kosten einzusparen. Zuvor wurde der Dienst aufgrund zu hoher Betriebskosten in Korea eingestellt und durch die Deckelung des 70/30 Abo-Splits weitere Kosten reduziert.

„Twitch ist aktuell nicht profitabel“

Twitch-Präsident Dan Clancy ging wie angekündigt auf seinem Twitch-Kanal live, um über die Kündigungen und den Stand der Dinge zu sprechen. Seiner Aussage nach ist Twitch für Amazon aktuell nicht profitabel.

Obwohl Twitch den Livestreaming-Sektor dominiert, erzielt man keine Gewinne. Bereits während der Diskussionen um die Deckelung der Abo-Einnahmen für große Twitch-Streamer betonte Clancy, dass die Bereitstellung von hochauflösenden Videos mit niedriger Latenzzeit rund um den Globus einfach sehr teuer ist.

Nach den Entlassungen stichelten „Konkurrenzseiten“ wie Kick.com, dass man Mitarbeiter von Twitch aufnehmen würde. Seiten wie Kick, die von der Reichweite von Twitch noch träumen, können sich die Verluste leisten, weil dahinter ein milliardenschweres Krypto-Casino-Unternehmen steckt, welches die Verluste in Kauf nimmt.

Amazon sieht keinen Grund, Twitch zu verkaufen

Der Twitch-Präsident betont in seinem Stream, wie viel Unterstützung er von Amazon bekommt und dass der Tech-Gigant keine Intentionen hat, die Livestreaming-Plattform zu verkaufen.

Stellt sich die Frage, wie Twitch profitabel werden kann. Abos, vor allem über Prime, bringen anscheinend nicht genug Geld ein. An manchen großen Streamern verliert Twitch bzw. Amazon sogar Geld. Wenn große Twitch-Streamer wie Asmongold regelmäßig auf ihren Zweitchannel wechseln, auf denen sie kein Twitch-Partner sind und somit keine Abos bekommen können, verliert die Firma teilweise bis zu 150.000 Dollar pro Monat.

Werbung ist ein zweiter großer Faktor, der das Zuschauererlebnis allerdings immer mehr beeinträchtigt. In der jüngeren Vergangenheit hat Twitch viel mit Pre-Rolls, Mid-Rolls usw. herumprobiert und Streamer mit einem Bounty-System für Werbung gelockt, was außerhalb des sehr profitablen Dezembers jedoch kaum zu mehr Werbeeinblendungen im Stream anregt. Das werbefreie Abo „Twitch Turbo“ wurde erst Ende 2023 um 30 % teurer, in manchen Ländern sogar um 50 % und kostet in Deutschland mittlerweile 12,99 €.