Der Streamingdienst Twitch überarbeitet erneut seine Bestimmungen für eingeschränkte sowie unzulässige Inhalte. Mitte Dezember trat Twitch an, weniger prüde zu sein. Die Vorschriften sollten einfacher sein, Frauen nicht so oft bestraft werden. Bereits zwei Tage später kam der Rückzug. Jetzt gibt es eine weitere Einschränkung: Unzulässig ist fortan auch, nackte Haut nicht zu zeigen.

Vor drei Wochen gestattete Twitch fiktive Darstellungen (Skulpturen, Zeichnungen, Animationen) von Geschlechtsteilen und Gesäßen, darunter Aktzeichnungen, sowie Aufschriften auf Gesäßen oder Frauenbrüsten in Zusammenhang mit Bodypainting und erotische Tänze mit Entkleidung – sofern die Übertragung mit dem Label „Sexuelle Themen“ gekennzeichnet war. Das hielt aber nur zwei Tage, dann nahm Twitch die Erlaubnis einschlägiger fiktiver Darstellungen wieder zurück. Ausnahmen gibt es nur für historische Akte wie Statuen auf öffentlichen Plätzen, Streams aus Museen oder kunstgeschichtliche Vorlesungen.

Die Freigabe für Zeitgenossen sei „zu weit gegangen“, und es sei bisweilen schwierig, fiktive Darstellungen und Fotografien zu unterscheiden. Nackedeis zu zeigen, ist seither nur noch erlaubt, wenn sie Teil eines Computerspieles sind, das nur für Erwachsene freigegeben ist, und ein Erwachsener sich beim Spielen filmen lässt. Fiktive Meta-Nacktheit, also.

Jetzt zieht Twitch die Zensurschraube noch eine Stufe enger: Es ist nicht länger zulässig, nackt vor der Twitch-Kamera zu sitzen, selbst wenn das im Bild gar nicht zu sehen ist. Ebenso verboten ist, den Verdacht zu erregen, die gezeigte Person sei außerhalb des Bildes entblößt, selbst wenn sie es gar nicht ist. Das hat das Unternehmen am Mittwoch verfügt.

Laut Begründung haben manche Twitch-Streamer schwarze Balken ins Bild gesetzt oder Objekte zwischen Kamera und Körper platziert, um bestimmte Körperbereiche zu verbergen. Ein Schelm, wer dahinter nackte Haut vermutete.

In der Regel waren diese Streams durchaus mit dem einschlägigen Label gekennzeichnet. Jedoch erzeugt Twitch automatisch kleine Vorschaubilder (sogenannte Thumbnails) und setzt sie (außerhalb der Homepage) unvorbereiteten Usern vor. Manche fühlten sich bereits durch diese Thumbnails gestört, weshalb nun auch Streams, in denen nackte Haut nicht gezeigt sein könnte, verboten sind. Gleiches gilt für Streams, in denen gewisse Körperareale dauerhaft außerhalb des Bildes bleiben, aber die Gesamtkomposition den Eindruck erwecken könnte, dass das nicht Sichtbare womöglich nicht keusch bedeckt sei.